Selbstlüge

Deine eigene düstere Seite zu kennen ist der beste Weg, um mit der düsteren Seite anderer Leute umzugehen.“ (C.G.Jung)

Ich hatte in der letzten Zeit Einiges zum Nachdenken. Über mich selbst, meine Vergangenheit und alles, was damit zusammenhängt. Ich sah so etwas, wie meine innere Wahrheit, meine Seele, bekam immer mehr Klarheit. Lange genug hatte ich Seiten an mir versteckt

Aber es rumorte unter der Oberfläche und störtet mich, also muste es raus.

Leichen aus dem Keller holen, ist überhaupt nicht angenem, in dem Augenblick, als ich sie wieder sah, hätte ich schreind weglaufen können.

Hab alte Wunden entdecken, die noch sehr schmerzten und ich merkte in dieser Zeit,  dass jeder Mensch  so etwas in  sich hat. Viele gelangen aber nicht dahin, weil sie noch nicht bereit sind,  während sie weiterhin sich selbst und die ganze Welt belügen .

Ich begriff  ganze Zusammenhänge , setzte  Puzzle für Puzzle zusammen und ich verstand die Entstehung für all diese Wut und Enttäuschung ( nicht nur bei mir).  Alles erschien mir so klar, wie niemals zuvor. Ich konnte quasi in viele Menschen hineinsehen, nicht in allem aber  die Masken haben mich nicht mehr getäuscht,  und ab diesem Zeitpunkt wußte ich, wieviel Macht ich damit hatte. Wissen ist Macht. Und ich sah und wußte, was diese Menschen so vehement zu verstecken versuchten, weil ich es auch in mir selbst sah. Manchmal verunsichterte ich andere damit , es war noch so neu für mich und ich musste schweigen lernen.  Ich glaube das nennt man Empathie, nachfühlen können, was andere Menschen fühlen. Ich konnte es teilweise in Bildern sehen, teilweise körperlich fühlen.

So ganz plötzlich geschah diese Einsicht  auch nicht, es war schon ein jahrelanger Prozess. Sammeln von Erfahrungen im Bereich der Kommunikation, persönliche Menschenkenntnis, mein Bauchgefühl und immer sensibler werdende Antennen an mir, kindlche Neugier, Begeisterungsfähigkeit, den Biss, dranzubleiben, zu bohren, zu fragen, zu fühlen, immer tiefer zu gehen, wo andere nur an der Oberfläche kratzen, über den Tellerrand schauen, mich selbst zu reflektieren und zahlreiche gewälzte Bücher gingen dem voraus. Es entwickelte sich, und irgendwie schaffte es mein Kopf erst in den letzten Wochen und Monaten die ganzen Puzzleteile vernünftig zu zusammenzusetzten. Und jetzt galt es eben, diese geistige Erleuchtung auszubauen und anzuwenden.

Und in diesem Zusammenhang, als ich meine Sherlock Holmes-Taktik immer weite ausbaute, viele neue Menschen kennenlernte, an denen ich „üben“ konnte, die durch eine dicke Maske ihren ganzen Seelenmülle verbergen wollten, kam mir immer wieder dieses eine Zitat in den Kopf.

„Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten, Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180 Grad drehbar.“ Erich Kästner

War es wirklich so? Verteufelte ich in den letzten Wochen einen natürlichen Schutzmechanismus der Menschen, den jeder braucht, um in der Zivilisation überleben zu können ? Ich hatte doch selbst diese Erfahrung gemacht, war selbst 20 Jahre lang die Verdrängungskönigin. Ich konnte mich befreien, aber musste ich dann auch zwangsläufig alle anderen bekehren ?

Mein Verstand mit dem Wissen von jetzt, rebellierte gegen einen Teil der menschlichen Sozialisation, die mir so sinnlos erschien ,die aber auch evolutionär und psychologisch begründet ist, die man nun mal nicht einfach ändern könnte, die einfach als Werte &Normen der Gesellschaft uns Menschen insgesamt Halt gab?

Ein Abwehrsystem, auf Illusionen aufgebaut, das uns schon während der Kindheit Masken bauen läßt zum Selbstschutz? Wir lernen früh, einander nicht die Wahrheit sagen und auch unsere eigene innere Stimme zu überhören, damit wir als Mensch, als Gesellschaft funktionieren.

Wenn Leistung gefragt ist, dann sind Gefühle fehl am Platz!

Lieber sachliche, freundliche Betriebsamkeit, geheuchtelt gute Laune zeigen. Dieser riesengroße Berg an Wut und Trauer, Neid, Mißgunst, etc.., der sich im Laufe der Jahre in jedem Menschen -mehr oder weniger- ansammelt, wird versteckt, verammelt und verdrängt , weil man schlechte Eigenschaften nicht haben darf, sondern nur Freude, Glück und Leistung nach außen zeigt.

Das muss irgendwann zwangsläufig ein großes inneres Leid in der Menschenseele verursachen, dass viele daran zugrunde gehen. Einige schaffen es vielleicht irgendwann, sich zu befreien von diesem Müll, zu ALL ihren Eigenschaften und Gefühlen zu stehen, auch zu den weniger beliebten, und Frieden mit sich und der Welt zu schließen.

Oft schaffen sie es nur mit professioneller Hilfe, manchmal mit Freunden oder auch von allein. Bei den meisten passiert dies aber erst in einem Alter, in dem man schon als weise bezeichnet werden könnte. Vielleicht fehlen vorher auch die Lebenserfahrung, die Intuition, die sich erst entwickeln muss und die Notwendigkeit, weil das Maß noch nicht nicht voll ist.

Wenn wir dann aber irgendwann grau und ganz weise den inneren Frieden gefunden haben, dann sind meist 2/3 unseres Lebens schon in Unfrieden verlebt,. und das soll so sein ?

Es wäre doch nur fair, wenn wir anstatt dessen schon im 1. Lebensdrittel von diesen grauen Weisen gelehrt würden, wie man es anstellt, gar nicht erst diesen Müllberg zu schucken, der später so drückt. Aber nein, hier muss der junge Mensch ja Differentialrechnung und zum 136. Mal das Geschehen im 3. Reich lernen. Wir lernen also für das Leben und nicht für die Schule ?? ahja. Da habe ich wohl irgendetwas falsch verstanden, !!

..my friend, look deep into my eyes and than reflect yourself..

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4 Gedanken zu “Selbstlüge

  1. Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Selbstfindung 😉 , das gelingt nicht vielen sich des eigenen Seins bewusst zu werden. Im Übrigen ist diese entdeckte Empathie Basis für den Humanismus in seiner ganzen Form. Schopenhauers Mitleidsethik besagt, dass das Gute nur aus Mitleid/ Empathie enstehen kann und damit hat er in sehr großen Teilen des Lebens recht.

    Das Verdrängen, welches du bemerkt hast ist die kognitive Dissonanz des Einzelnen und auf die Gesellschaft gesehen ist es die pluralistische Ignoranz. Kognitive Dissonanz ist das Verdrängen eines unangenehmen Gefühls, welches hervorgerufen wird, wenn das Handeln nicht mit den eigenen Normen und Werten zusammenpassen bzw. anders herum. Pluralistische Ignoranz sieht man häufig bei Unfällen, denn das sind die sogenannten Gaffer -ich nenne sie Mittäter, denn sie tun halt nichts außer gucken, sie helfen nicht obwohl es ihre Pflicht ist. Das Phänomen kommt daher, weil niemand weiß was er tun soll und das gerade, weil sie wissen, dass sie etwas tun müssen schauen sie auf andere Menschen und „kopieren“ ihr Verhalten. Typischer Satz wäre auch: „Naja, das machen aber alle so.“ Leider ist das im Unterbewusstsein verankert dieses Verhalten, aber man kann es abtrainieren, denn es ist mehr als nur gesellschaftsschädlich.

    • Pluralistische Ignoranz! Ja diese 2 Worte beschreiben ganz gut, was ich in verschiedenen Themen immer wieder beobachte. In der Menge fühlt sich der Einzelne sicher, denn was so viele machen, kann ja nicht verkehrt sein, bekannte Schublade, oder ?

    • Ich denke im Prinzip genauso. Die Wenigen, die -für sich- wissen, was zu tun ist, und auch die Eier haben, es zu tun, haben Halt in sich selbst und brauchen kein Gerüst von außen, diejenigen sind innerlich frei und das ist die größte Freiheit, die ein Mensch haben kann. ….. und ist so verdammt schwer, da hin zukommen.

      • Das Problem ist, dass viele schon lange an der Stelle sind und sich die Werte und Normen derer aneignen, welche scheinbar zur Mehrheit gehören. Das heißt die Position zu halten wo man gerade ist, das ist das Schwierigste.

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