Angst vor Freiheit

Erich Fromm sagt JA : „Die Furcht vor der Freiheit“   (eine kurze  Interpretation mit anschließendem Kommentar)

 

 

 

Die These dieses Buches lautet, daß der moderne Mensch, nachdem er sich von den Fesseln der      vorindividualistischen Gesellschaft befreite, die ihm gleichzeitig Sicherheit gab und ihm Grenzen setzte, sich noch nicht die Freiheit – verstanden als positive Verwirklichung seines individuellen Selbst – errungen hat; das heißt, dass er noch nicht gelernt hat, seine intellektuellen, emotionalen und sinnlichen Möglichkeiten voll zum Ausdruck zu bringen. Die Freiheit hat ihm zwar Unabhängigkeit und Rationalität ermöglicht, aber sie hat ihn isoliert und dabei ängstlich und ohnmächtig gemacht.

Diese Isolierung kann der Mensch nicht ertragen, und er sieht sich daher vor die Alternative gestellt, entweder der Last seiner Freiheit zu entfliehen und sich aufs neue in Abhängigkeit und Unterwerfung zu begeben oder voranzuschreiten zur vollen Verwirklichung jener positiven Freiheit, die sich auf die Einzigartigkeit und Individualität des Menschen gründet.

Erich Fromm setzt hier die  Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit  als Konsequenz  der  gewonnenen Freiheit.  Er ist zwar insgesamt freier aber dafür  in der heutigen Arbeitswelt  auch haltloser und austauschbarer  geworden . Dieser Mensch greift  deswegen zu so genannten Fluchtmechanismen, die die Funktion haben, die Angst und die Isolation zuzudecken.

Erich Fromm unterscheidet drei Fluchtmechanismen, nämlich die autoritären Tendenzen, den Zerstörungstrieb, sowie die automatische Anpassung. In allen drei Fällen besteht die große Verwirrung darin, dass keiner die Flucht in eine passenderer Freiheit versucht.

Die drei Mechanismen der Flucht :

  1. autoritären Tendenzen (Verantwortung abgeben)er wählt evtl. radikale Parteien, wünscht sich mehr Verantwortung von der Regierung
  2. den Zerstörungstrieb ( Rebellisch durch Frust) er demonstriert, wird gewalttätig, kriminell
  3. die automatische Anpassung (hat sich aufgegeben) funktioniert nur noch, wird gefühllos

Hier die ausführliche Erklärung der 3 Fluchtmechanismen: ( letzte 3 Absätze )

http://www.irwish.de/Site/Biblio/Fromm/FurchtFreiheit.htm

MEIN FAZIT: 

Je mehr persönliche und gesellschaftliche Freiheit der Mensch über die Jahrhunderte errungen, und damit das ursprünglich lang ersehnte Zeil der größeren Freiheit erreicht hat ( z.B. d. weniger körperliche Arbeit, Frauenrechte, Trennung von Kirche und Regierung, Abschaffung der Sklaverei, technische Erfindungen, die den Menschen flexibler agieren lassen ), desto mehr wird er auf einer anderen Ebene ungllücklicher.
Diese Ebene ist für den Menschen persönlich schwer zu fassen, er merkt nur , das er . frustriert ist, die Gründe dafür legt er sich zurecht, so gut er kann, wie stark die Frustration ist, hängt vom vom jeweiligen Charakter ab.

Die heutige (relative) Ungezwungenheit , in der der Mensch aufwächst, ist für DIESEN Menschen selbstverständlich. Er kennt es nicht anders, allein das erlernte Wissen um anstrengendere frühere Zeiten, lassen es ihn nicht wirklich nachempfinden. Wir kennen alle die Redensarten unserer Großeltern, „früher hatten wir es nicht so gut wir ihr heute…“ die wir irgendwann nicht mehr hören konnten. Wenn man Zeiten der Not oder Unterdrückung am eigenen Körper erlebt hatte, dann würde man die neue Freiheit eher zu schätzen wissen. Das ist aber hier nicht der Fall.

Diese Frustration läßt den freieren Menschen denken, er sei nun bedeutungslos geworden, er sei weniger Wert, er findet den Sinn des Lebens und damit seine Aufgabe nicht , fühlt sich wie ein kleines Rädchen im Uhrwerk, das jederzeit ausgetauscht werden kann. Warum ist das so ? Er ist evtl. Single oder führt Kurzbeziehungen, die ihn nicht ausfüllen, er hat einen Job, der keinen Spaß macht, oder ist arbeitslos. Seine Famile ist in alle Winde zerstreut, falls es sie noch gibt und er findest keinen Halt mehr, weiß nicht, wohin er gehört. Er sucht halt in der Gesellschaft und findet keinen. Er fällt in Depressionen, bekommt ein Burnout-Syndrom, oder andere psychische oder körperliche Erkrankungen.

Der Mensch in der heutigen Zeit muss selbstbestimmend leben und damit auch selbstverantwortlich. In den anonymen Zeiten des Internets leben viele Menschen alleine und nebeneinander her, kennen ihre Nachbarn nicht, haben kaum Freunde und müssen nach außen immer den Schein des ewig Glücklichen wahren, denn nur das wird von der Gesellschaft erwartet. Dies ist unter solchen Umständen natürlich eine große Last, unter der manch einer dann zusammenbricht . Dabei fehlt nur etwas Struktur, Zusammenhalt, die Erfüllung natürlicher Bedürfnisse, wie Zugehörigkeitsgefühl, Vertrauen, Liebe, sich fallenlassen können.

Wenn der Mensch durch diese soziale Isolation oder unter der Last der Verantwortung krank zu werden droht, flieht er.

Advertisements

4 Gedanken zu “Angst vor Freiheit

  1. Erich Fromm beschreibt zwar die Tendenz, sich, nach der Loslösung aus der primären Bindung, Fluchtmechanismen zu entwickeln. Für ihn ist es aber dennoch nicht unmöglich, wahre Freiheit zu erlangen: Durch Liebe und Arbeit. Diese beiden spontanen Impulse kennzeichnen jeden freien Menschen, denn er ist durch die erlangte Freiheit produktiv (als Zeichen eines wohlgelebten Lebens) und voller Liebe zu sich selbst und grundsätzlich auch gegenüber jedem seiner Mitmenschen. Im Artikel wird meines Erachtens kaum ersichtlich, dass es wahre Freiheit wirklich geben kann. Deshalb die Ergänzung.

    • Ich glaube, wir definieren „Freiheit“ unterschiedlich. Ich kann das so gar nicht nachvollziehen, was Sie geschrieben haben, schon gar nicht in unserer heutigen Arbeitswelt. Das hört sich an, wie „Arbeit macht frei“ . Einen Sinn soll jeder Mensch im Leben haben und auch produktiv sein, das ist ein Grundbedürfnis (in Verbindung mit anderen Bedürfnissen) , aber er braucht auch HALT… aber leider fehlt genau das vielen Menschen und sie werden krank. Zuviel Freiheit kann einen Menschen nutzlos, haltlos, sinnlos werden lassen, trotz Job, „Familie“ und Hobbys!( zumindest seinem Empfinden nach, aber das reicht ja schon.

      • Nein! Also „ich kann das so gar nicht nachvollziehen, was Sie geschrieben haben.“ Wie sieht die Arbeitswelt denn aus? Die Arbeit ist unvereinbar mit der Freiheit?

        HALT. Gibt es nicht Halt einen „Sinn im Leben zu haben“? Arbeit lässt produktiv sein. Produktivität als Grundbedürfnis? Wenn dem so ist, dann ist Arbeit klasse, weil es ein Grundbedürfnis erfüllen kann. Dabei ist ganz wesentlich, dass die Arbeit dem Leben eine Struktur gibt. Struktur und Freiheit? Freiheit ist eben nicht gleich zu setzen mit der Anarchie. Freiheit erlaubt Struktur. Die tägliche entlohnte Beschäftigung in Deutschland befreit. Zum einem ist ein Teil des Tages mit fest eingeplanten Tätigkeiten ausgefüllt. Und das Tag für Tag. Desweiteren ist man dem Überlebenskampf einen Schritt voraus. Die Sorge, ob, man den nächsten Tag erlebt, ist man los. Denn Essen, wie auch Trinken und Wohnung kann man sich dank der Arbeit leisten. Und damit hat gleich mehrere elementare (!Grund-)bedürfnisse befriedigen können.

        …In einer warmen Wohnung und mit regelmäßigen Mahlzeiten hat man mit Krankheiten weniger zu kämpfen als ohne festen Wohnsitz, zu wenig genug Geld für ausgewogene Kost. An das ‚Bett gefesselt wärst du ohne Arbeit öfter. Aber du sprachst ja auch vom Halt der fehlt…

        Arbeit ermöglicht uns die Sicherung der elementarsten Grundbedürfnisse. Darauf können wir aufbauen. Denn wenn wir uns nicht mehr um die unseren eigenen Lebenserhalt kümmern müssen, können wir uns anderen Dingen zuwenden. In Bezug auf die Freiheit wird es da schwierig. Die Arbeit ist ein zweischneidiges Schwert. Mit ihr kommt die soziale und personale Identität: „Ich bin Blogger“. Der Blogger identifiziert sich mit seinem Job. Aber nicht so sehr mit dem Berufsfeld sondern mit seiner Einstellung zum Berufsfeld. In der Praxis besteht der Freundeskreis nicht nur aus Bloggern, sondern auch aus anderen Mitmenschen -vielleicht vielmehr Gleichgesinnten? Denn, Gott sei Dank, gibt es staatliche Regulierungen was die Arbeitszeiten betrifft. Es bleibt Raum für Freizeit, Aktivitäten neben der Arbeit. Eben für die Dingen, die wir meinen zu lieben. Und zwar nach, je nach Gemüt auch vor und heutzutage sogar während getaner Arbeit.

        Die Arbeit von der wir sprechen bleibt vor allem eines: Erwerbsarbeit. Durch die Arbeit erlangen wir – das (das durch) mag man bemängeln und oder beklagen- die Freiheit uns Selbst zu verwirklichen. Wir können immer noch, in der arbeitsfreien Zeit, die Dinge machen, die wir ohne diese Arbeit tun würden. Die Dinge, die uns „wirklich“ entsprechen. Nur sind wir unabhängiger von den Grundbedürfnissen, wenn wir arbeiten. Die Selbstverwirklichung, den Glückszustand können wir in diesem Zustand, als erwerbstätige(/r) Zeitgenossin/e, aber entweder innerhalb der Arbeit oder im Feierabend erwerben. Die Wahlfreiheit liegt bei uns. Nebenbei: Gibt es eine Arbeitspflicht?

        Selbst innerhalb der Arbeitswelt vollzieht sich ein Wandel hin zum selbstbestimmten Arbeiten. Die Blogger, Youtuber, Google und Co machen es vor: Du bestimmst wann du welchen Content wie und wo veröffentlichen willst. Die Zeit, den Arbeitsablauf kannst du bestimmen. In den von dir festgelegten Pausen stehen Kicker, Skateboard, Lesecouch -auf der du auch während der Arbeit liegen kannst- und vieles mehr zur individuellen Verfügung bereit. Um die Arbeit selbst führt kein Weg herum.

        Unfrei macht uns die Arbeit nicht! Unvereinbar mit der Freiheit ist sie auch nicht.

        Die Pause entspricht nicht dem Leben, der Definition von Leben. Allen Lebenden ist gemeinsam, dass sie nicht dauerhaft zur Ruhe kommen. Der ewige Stillstand, das Fehlen jeglicher Bewegungen in irgendeine Richtung, ist der Tod. Gearbeitet werden muss, u.a. aus weiter oben angeführten Gründen. Die freie Entscheidung wo, wann und wie du arbeiten willst liegt aber immer mehr, so scheint es, bei dir.

        Wenn dich diese Freiheit ohnmächtig macht, liegt es nicht an dem „zu viel“ an Freiheit. Die Freiheit gibt dir die Möglichkeit deine ganz eigenen haltgebenden Sicherungsseile um dich herum aufzuspannen. Du darfst sie auch wieder einreißen. Es sind deine. So viele, verschiedene, bunte, dünne und dicke, kurze und lange Sicherungsschnüre, wie sie nur zu dir passen. Nur musst du, um das zu können, dich selber finden. Du musst wissen wer du bist. Was dir wichtig ist. Zu welchen Werten du stehst. Und das ist es, was dir schwer fällt. Und das ist es, was die Arbeit leisten kann. Die Arbeit kann dir helfen, dich selbst zu verwirklichen, Anerkennung zu bekommen, etc. Und da musst du wissen, was es ist, was dich dich wertvoll und sinnvoll erscheinen lässt. Du musst Verantwortung übernehmen für deine Entscheidung. Dazu musst du dir sicher sein. Zu einer Entscheidung stehen, davon überzeugt sein und trotz immer wieder aufkommender Zweifel dahinter stehen bleiben, das ist es, was das Leben erfüllt. Da bleibt kein Platz für das Kranksein und dauerhafte Sinnlosigkeitskrisen.

        Die Frage nach dem Sinn und Nutzen der Arbeit ist so alt wie das Menschengeschlecht. Nur die Freiheit ist heute größer. In diesem Sinne bin ich so frei und verwehre mich der dauerhaften Hinterfragerei. Ich entscheide. Unter diesen Bedingungen macht Arbeit frei!

Dein Senf ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s