Warum Menschen noch nicht tolerant sein können

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Zitat C.G. Jung: „Es ist eine Tatsache, die mir in meiner praktischen Arbeit immer wieder überwältigend entgegentritt, dass der Mensch nahezu unfähig ist, einen anderen Standpunkt als seinen eigenen zu begreifen oder gelten zu lassen. […] Eine Basis zur Schlichtung des Streites der Auffassung könnte nach meiner Überzeugung die Anerkennung von Typen der Einstellung sein, aber nicht nur der Existenz solcher Typen, sondern auch der Tatsache, dass jeder in seinem Typus bis zu dem Grade befangen ist, dass er des völligen Verständnisses des anderen Standpunktes unfähig ist.“Gesammelte Werke, Band 6

Meine persönliche Herleitung dazu:
„Die Sozialisation durch die Mitmenschen unserer Gesellschaft durch die  sog. Peergroup , also  durch gleichaltrige Freunde und Mitschüler, der jeder Mensch vom 1. Tag an unterliegt, der in diese Gesellschaft hinein geboren wird, ist die „Schule“, die uns die entsprechenden Don’ts & Do’s, also die grundlegenden gesellschaftlichen Werte und Normen tief ins Hirn einbrennt.

Welches Verhalten oder Aussehen ist richtig? welches falsch?  wer ist gut oder böse? woran erkenne ich das ? bei wem  muss ich aufpassen ?  Das macht man,  und jenes macht man nicht,  und zusätzlich müssen noch die aktuellen  gesellschaftlichen Trends berücksichtigt werden, welches Verhalten gerade  cool ist,  wie z.B:  die neuen Powerfrauen, die alles können, die nun endlich gleichberechtigt sind, die sofort  Vollzeit arbeiten gehen nach der Geburt ihrer Kinder,  die in Führungspositionen katapultiert wurden, die  ihren Mann an  Herd & Bügelbrett bekommen haben  ( Elternzeit)  und eigentlich glücklich und zufrieden sein sollten….   ok, ich schweife ab, also wie frau als Superwoman  denn  nun  sein sollte  und was von ihr erwartet wird.  )
Diese Kriterien der Normalität zusammen mit den moralischen  Idealen sind damit unsere verinnerlichten Normwerte für das Zusammenleben mit anderen Menschen, dies sitzt in unserem Hirn fast so tief, wie Instinkte und sind i.d.R. nicht mehr änderbar, zum grössten Teil ja auch unbewusst. Das merkt man dann , wenn man  Menschen mal auffordert, bewusst zu denken und zu überlegen, welcher ihr wichtigster PERSÖNLICHER Wert im Leben sei, sie können nicht ad hoc antworten , stammeln irgendwas  oder murmeln sich in den Bart… UND  nehmen stattdessen allgemeine Floskeln, wie    Weltfrieden oder zitieren das Grundgesetz..   .
Dieses verhängnisvolle, ungeschriebene, nie-infrage-zustellende, AUCH VERLEUGNETE; lebensnotwendige Gesetz der Gesellschaft, das den einzelnen Menschen erst für das soziale Zusammenleben mit anderen Menschen befähigen soll, hat ja durchaus seinen Sinn. Eine Horde Menschen, die keine gemeinsamen internen Regelungen anerkennt, könnte sich nie Ressourcen, wie Wasser, Nahrung , Arbeit, friedlich teilen; sie würden sich alles erkämpfen müssen, außerdem bietet eine Gemeinschaft auch Schutz für den Einzelnen. Einzelgänger sind zwar freier aber eben auch allein.
Diese, starre uralte Moral ist also zumindest mal  überlebenswichtig gewesen und im Laufe der Jahrhunderte gewachsen aber insgesamt sehr unflexibel. Sie passt sich dem gesellschaftlichen Wandel nur sehr langsam an ( tut sie das überhaupt??) und ist nur schwer greifbar, möchte man sie analysieren, deswegen auch kaum populäres Thema.   . Hier verbirgt sich grosses Konfliktpotential.
Immer wenn z.B. öffentlich das Thema Toleranz und Antidiskriminierung angesprochen wird, dann sind sich offiziell alle einig, dass tolerantes Verhalten, also die Akzeptanz von andersgläubigen, anders aussehenden, anders liebenden Menschen in IHRER Gesellschaft selbstverständlich ist. Soweit die Theorie. ( der Kommunismus klang in der Theorie auch ganz toll)
Konflikte gibt es deswegen, weil die Praxis eben ganz anders aussieht.
Mein schlussfolgernder Gedanke: Wir leben in mind. 2 geistigen Parallelwelten, die sich widersprechen. Die geistige Weiterentwicklung der Gesellschaft widerspricht einfach in einigen Punkten der verinnerlichte Moral und auch Verhaltensweisen, die biologische Gründe haben ( z.b. geschlechtszpezifisches Verhalten)( deswegen messen wir auch mit mindestenz 2-erlei Maß, weil wir ( in) beiden Welten leben müssen, wir sind also von Haus aus quasi ungerecht.

( –> Vergleichbar:  ES gibt ebenso keine Gerechtigkeit in der Welt, nur die Vorstellung davon)
DAS würden wir aber nie öffentlich zugeben und wir wollen auch nicht ungerecht oder intolerant sein, wir müssen es aber, DENN wir haben verinnerlicht, dass „nicht- normales“ Verhalten NACH UNSEREN VORSTELLUNGEN immer eine potentielle Bedrohung der Gemeinschaft ist und das „müssen“ wir lt. alter Moral, misstrauisch beäugen und beobachten, ggf. sanktionieren, missionieren. „Nicht normale „Menschen werden schließlich von uns moralisch ausgeschlossen, aus der Gesellschaft, wenn sie sich nicht anpassen. Das ist aber mittlerweile zum Tabuthema geworden, niemand würde zugeben, dass er z.B. die nicht angepassten moslemischen Mitbürger aus dem Erdgeschoss seines Mietshauses NICHT als vollwertiges gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft sieht. Er wäre rassistisch, intolerant und ein Nazi! ( gesellschaftliche neue Werte vs. alte Moral)
Mein Fazit: das theoretisch angestrebte, friedliche Miteinander von verschiedenen Kulturen mit unterschiedlicher Moral,   Kulturen mit anderer, den Alltag bestimmender Religion, die ihrerseits  andere Religionen nicht toleriert und mit anderen Gesetzen,  ist  nicht praktikabel! Es klingt schön, aber  bis jetzt  ist es kaum jmd gelungen DAS zu leben. ALLE Menschen sind so, auch die dunkelhäutigen  und auch Pfarrer,  Ärzte ,  Putzfrauen, Firmenchefs,   der Bettler auf der Strasse, Autoren, ich, du, wir alle !

Mit anderen Worten, die Toleranz gegenüber Menschen aus  Gruppen, die andere Werte und Normen haben oder ein komplett anderes Aussehen ( andere Abstammung, z.B. dunkelhäutig), ist uns Menschen in der Praxis zur Zeit nicht möglich; VIELLEICHT   lernen wir es irgendwann, aber  das was  die Trends offiziell für gut und cool befinden  und dem, was noch in unseren  Reptilien-Hirnen  steckt, prallen Welten aufeinander.  Theoretisch ist alles  political  correct“ und ganz easy going,  aber in der Praxis , hapert erst ja meist erst.

wie heißt es  so schön.   „Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis weitaus höher, als in der Theorie“

wie lösen wir das Dilemma: Wir schämen uns dessen, wenn es uns bewusst wird, dass wir selbst gerade intolerant waren oder   sehr stark wertenden Gedanken hatten, was wir ja aber bei anderen als böse, schlecht, verurteilen. Wir geben es aus diesem Grund nicht zu und verdrehen unsere Wahrheit einfach etwas, wenn wir uns  erklären müssen.
Also basteln wir uns Erklärungen, verdrehen und verleugnen frühere Überzeugungen, bauen uns eine neue alte Wahrheit, die wenn sie fertig ist, natürlich“ schon immer da war“.
Alles was nicht unserer gesellschaftlichen Norm entspricht, KANN nicht wirklich akzeptiert werden, höchstens eine Zeit lang geduldet werden, aber nur mit Auflagen. Andersartige, nicht “ normale“ Menschen dürfen nicht alles, was die Normalen dürfen.
Einige der moralischen Kriterien aus der Steinzeit sind amS mittlerweile sinnlos geworden und überflüssig. ( z.b. Die Änderung der Sozialisation von Mädchen wäre langst fällig )

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Aber wie ändert eine Gesellschaft die Moral? Wie passen wir sie an? Sie MUSS ZWINGEND überholt werden, weil sie uns im Weg steht, nur wie???“

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