Über Naivität und Querdenker

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Ich weiß seit einigen Monaten, dass ich hochsensibel bin und ich vereine viele Merkmale eines sogenannten „Scanners“, einer Art unter den Hochsensiblen, von denen längst nicht alle gleich sind, denn ich bin nur in Rückzugsphasen Introvertiert , sonst ich gehe gern nach vorne, bin präsent und kontaktfreudig, aber trotzdem hochsensibel dabei und ich bin naiv bzw. sehr vertrauensseelig, und darauf will ich näher eingehen, obwohl ich noch nicht den Zusammenhang zwischen Naivität und Hochsensibilität logisch herleiten kann. Aber ich weiß, dass Naivität mich weiterbringt als Mißtrauen.
„Du bist ganz schön naiv!“ zu hören, war nicht gerade ein Kompliment für mich. Aber genau das habe ich schon oft zu hören bekommen. Ich weiß es jetzt aber als Kompliment zu nehmen. Warum ?
Darum:

Ich lasse mich gern auf neue Dinge, Situationen ein, ohne vorher an Risiken zu denken. Das schmälert die Vorfreude so.
Ich schenke z.b. jedem neuen Menschen in meinem Leben ein Vertrauensvorschuß, und gebe gleichzeitig einen Teil von mir bereitwillig preis, weil ich möchte, dass sich der neue Mensch auch öffnet. Wie soll ich denn Vertrauen ernten, wenn ich nur an den „Worst Case“ denke, damit ich nicht enttäuscht werden kann? Wer chronisch mißtrauisch ist, dem passieren auch mehr negative Dinge im Leben.( Übrigens: ich bin natürlich auch als Pessimist enttäuscht, wenn’s daneben geht, kann dann aber sagen: Siehste, ich habs ja gleich gewusst“ und mir bestätigend in meiner Opferrolle die Wunden lecken.

Und so naiv , wie ich bin, stelle ich auch vieles Gewohnte einfach in Frage. Nur weil viele Menschen in eine bestimmte Richtung gehen, muss das nicht der richtige Weg für mich sein. Ich wandle daher gern neben den ausgetretenen Pfaden, und stelle Althergebrachtges in Frage, sogar Worte von sog. Fachleuten, indem ich nach dem Sinn frage. Ich muss einen Sinn in einer Handlung sehen. „weil es alle tun“, ist kein Sinn, sondern eine Ausrede. Ist das auch naiv ? Nein, das ist töricht, sagen wieder andere. Nein, sage ich, das ist sinnvoll, nach dem Sinn zu fragen.

Wenn ich die Antwort, „das haben wir schon immer so gemacht“ höre, dann sträuben sich mir die Nackenhaare und ich werde angriffslustig.
Bedenkenträger und Status-quo-Verteidiger , die sich vehement gegen alles Neue aussprechen, sich hinter Regelwerken und „weil das so ist-Argumenten“ verstecken, reizen mich besonders, denn mein Ausbrechen aus Gewohntem macht ihnen Angst, das weiß ich und sie reagieren, als wäre es ein Angriff auf ihre eigene Person.

Denn jeder der „ausbricht aus der Herde“, stellt das Lebensmodell der nicht-ausbrechenden in Frage. Wer sich dem Ausbrecher nicht entgegenstellt, muss sich zwangsläufig selbst fragen : Mache ich hier das Richtige ? Wäre für mich nicht auch mehr drin? Es wäre ein großes Unbehagen und ein Verlassen der Komfortzone, des gewohnten Hafens. Die Verteidiger des Alten haben etwas zu verlieren, nämlich ihre Rechtfertigung für ein Leben, das sie selbst nicht lenken müssen, denn dann müssten sie für das eigene Handeln und ihre Zukunft die Verantwortung übernehmen. Nein, dann lieber unfrei sein, und den Schwarzen Peter weitergeben.

Der Mainstream versucht immer, den „Ausreißer“ wieder einzufangen, zu sanktionieren und ihn in der Mitte ihres Schwarms festzuhalten. Und sie haben ja durchaus gewichtige Argumente. Denn natürlich stößt man irgendwann auf realistische Probleme und Hindernisse, wenn man etwas Neues beginnt. Aber bitte nicht schon vorher! Es ist nie die Sache an sich, die uns Angst macht, sondern immer nur die Vorstellung davon und die ist nur in unserem Kopf. Sie führt leider oft zur Realität, denn das Unterbewusstsein bestätigt nicht nur die optimistischen Gedanken, die ein Mensch hat, leider auch Befürchtungen, wer ihnen zuviel Raum im Kopf gibt . Wer naiv genug ist, hat keine solchen Horrorvorstellungen oder kann sie einfach gut verdrängen!
Wer sich aber all die Strapazen einer Weltumsegelung vor Augen führt ( Befürchtung) bevor er überhaupt mit der Jolle auf dem Teich das erste Segeln beginnt, der lässt es wahrscheinlich gleich sein oder er beginnt halbherzig und es trifft genau das ein, was befürchtet wurde. (Sich selbst erfüllende Prophezeihung/ Gesetz der Resonanz)
Wer vorher ausgiebig über die möglichen Risiken, Leid und Enttäuschungen einer Beziehung nachdenkt, der dürfte niemals eine Partnerschaft eingehen, geschweige denn heiraten!! Zu schlechte Prognose, zu wahrscheinlich das Risiko des Scheiterns. Auch hier ist das Scheitern vorprogrammiert, wenn man dieses..“ glaub ja überhaupt nicht dran, es geht sowieso schief, aber niemand kann sagen, ich hätte es nicht versucht“-Ding als Muster im Kopf hat. Gedanken sind innere Dialoge, bewusst und unbewusst aber beide wirken!! sie sind meistens direkt mit Emotionen verbunden , die meistens im Unterbewusstsein wirken. Emotionen und Bedürfnisse sind die Ursache für intuitives Handeln.
Um all diese Zweifel zu überwinden, braucht es die Naivität , als wenn man etwas zum erstem Mal macht und keine Stolpersteine sieht. Ich weiß nicht, ob man sich Naivität wieder zurückerobern kann, wenn man sie einmal verlernt hat, ich glaube nicht.
fallen jedesmal aus allen Wolken, wenn sich hinterher herausstellt, dass ich in einer Sache belogen wurde, weil mich das völlig unvorbereitet trifft, weil ich nie daran denke, dass mir jemand etwas Böses will, weil ich so naiv bin. Und bei nächster Gelegenheit mache ich das Gleiche nochmal, weil es so schön war. Ich bin nur ein einziges Mal richtig heftig enttäuscht worden von einem Menschen, der mein Vertrauen in einer wichtigen Sache mißbrauchte und ich kann nun aber glücklicher Weise feststellen, dass ich nicht den Glauben in die gesamte Menscheit verloren habe, wovor ich wirklich Angst hatte.
Dieser Naivität wohnt ein besonderer Zauber inne, sie ist genau wie das, was wir als Kinder hatten, die nichts Böses denken, sie ist die Basis meiner immer noch währenden Begeisterungsfähigkeit und sie ist auch gleichzeitig die Wegbereitung für den Mut, aus einer Herde auszubrechen und eigene Wege zu gehen, ohne pro und kontra an der Tafel, sondern weil „ich es einfach will und daran glaube, an mich glaube“! Durch diese Naivität habe ich gewiss mehr Freiheit als Zweifler und Pessimisten und nicht nur das, ich habe auch die Chance das zu tun, was ich in meinem Innersten für richtig halte, und DAS ist das einzig wahre Ziel, das sich anzustreben lohnt. Ich tue das, was ich will und ich will das was ich tue. DAS ist für mich Selbstverwirklichung.

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